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von Regina ihren Sohn dessen Abr ^ aus Thorn

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eleitbrief t

Soemmerring, gebornen Gerat an Samuel Thomas Soemjneirring bei eise auf die Universität Göttingen im Kerbst 17^4. ^

Ob ich gleich befürchte, das dein Leichtsinr Dir nicht erlauben wird, diese meine treue Ermahnungen, mi1 der gehörigen Aufmerksamkeit und Nachdenken durchzulesen, so kann ich es doch nicht lassen. Mütterliche Liebe und Pflicht treiben mich aufs eifrigste an, alles zu thun, was ich vor Gott und meinem Gewissen"nöthig erachte, dein wah­res Heyl befördern zu helfen.

Zuforderst ermahne ich dich und bitte dich umb aller kindlichen Liebe willen, welche du mir schuldig bist, dass du dich einer wahren Gottes-Furcht mit allem Ernst be­strebest, denn alle Menschliche Weissheit-' muss zu Schanden werden, wenn sie nicht aus der Quelle einer reinen Furcht und Liebe zu Gott dem höchsten Geber aller guten und aller ' Vollkommenen Gaben herkcmmt, du wirst nie ruhig-', nie glück­lich seyn, wenn du dich nur auf solche Dinge verlast, die dich vorzüglich vor anderen angenehm beschäftigen, dir abe: im Grunde nicht die Ruhe des Geistes, noch das Glück des Menschen sein können, der nicht Gott fürchtet, und einer gründlichen und nützlichen Wissenschaft in Menschlicher Weissheit sich angelegen seyn laset. Du hast von deinem .Schöpfer ein gut-s Talent empfangen, Wuchere damit redlich so'^wii-stu die Früchte davon reichlich zu geniessen haben.

Denke nur nicht dass du schon alles weisst, und 4 dich nur in der- Frembde umbsehen solst, vielmehr suche durch Achtung deiner Lehrer und angestrengten Fleiss deine Kenntniss zu erweitern, wenn du dir nur nicht heucheln wirst, 1 so wirst du bald sehen,- dass dir noch viel fehle, und d-sto begieriger nach mehrer Kentniss werden.

Das Theure Wort Gottes 'eropfeie ich dir her-tzlich 0 wie oft habe ich dich dazu ermahnt und.angeha1ten, du hast mir oft gesagt es wäre schlecht wenn du es nur oben hin lesen söltest und mich versichert, dass du es auch be­trachtest. Thue es doch mit allem Fleis und mit dem Sinn, daraus den Weg zu deiner ewigen Seeligkeit zu lernen, so wirst du auch dadurch zu einem rechtschaffnen Wandel ange­trieben werden.

Deinem eignen Kerzen traue nicht, denn es kann dein erster Verführer werden, hüte dich auch mit aller Vor­sicht, das du nicht an solche Gesellschaft gerathest', die dich an Seel und Leib unglücklich machen könnten. Wähle dii solche Freunde, durch deren Umbgeng- du in Wissenschaften und Tugend zunehmen kennst^ und wenn sie auch nicht viel Aufsehen machen, desto besser, alsdann kan man von Jhnen hoffen, dass sie den Zweck ihres Aufenthaltes in der Fremda gewiss immer vor Augen haben und die Zeit, ihr Geld und gu~