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Gestern wurden zwei sicilianischen Soldaten, welchen ihren Oistzier ermordet hatten, erschossen; trotz der häufigen Bei­spiele wiederholt sich jenes Subordinationsvergehen sehr häufig unter dem hiesigen Militär.

Erklärung

der

monumentalen Decoration, die bei Gelegenheit der Säcular- feier der Erfindung des Buchdruckes von Hrn. v. Launitz in Frankfurt a. M. ausgeführt worden.

Die Zdee, welche den Künstler bei Erfindung dieser Decoration, die in Form eines großen Ehrenmonumentes ausgeführt worden, gefeitet hat, war die, in einem großen, allen sichtbaren und zugänglichen Werke der Elastik die vorzüglichsten Beziehungen anzudeuten, in welchen die Erfindung des Buchdruckes zu den Hauptrichtungen des mensch­lichen Geistes steht, um auf diese Weise dem Publikum den Standpunkt anzugeben, aus welchem die Feier dieses Festes ange­sehen werden sollte. Die Architektur dieser monumentalen Deco­ration, die in gothischem Styl ausgeführt ist, und deren Basis aus mehreren übereinander fich erhebenden Plateaur besteht (auf welchen die Preßthätigkeit rc. stattfindet) nimmt auf einem 20 Fuß hohen Piedeftal die 3 Figuren von Fust, Gutenberg und Schösser auf, der drei Männer, durch deren Verdienst das. erste Auftreten der Erfindung Gutenberg's nach -kurzer Zeit in so vollkommener Form möglich wurde. Diese 3 Figuren drücken durch ihre Hand­lung die Verdienste aus, die jeder der drei gefeierten Männer um die Erfindung selbst und um die Ausbildung derselben gehabt. Gu­tenberg, welcher in der Mitte der Gruppe steht, hält in der linken, erhobenen Hand eine bewegliche Letter, indem die Rechte auf einem Buche in der neuerfundenen Art gedruckte Zeilen zeigt. Schösser bezeichnet seine Erfindung durch eine in der Linken emporgehaltene Form, in welche die Matrizen der Buchstaben geschlagen sind, die früher mühsam geschnitten und unvollkommen auögegossen wurden. Die Rechte hält die erhaben geschnittene Letter nebst dem Präge- Hammer. In Fust ist der Antheil, den er an dem Gelingen des Ganzen hatte, durch eine Anzahl Bücher angedeutet, die er in dem rechten Arme hält, indem durch seinen Unternehmungsgeist und seine mehr merka tile Richtung die Mittel herbeigeschafft wurden, deren die neue Erfindung bedurite; jedoch zeigt seine Linke auf Gutenberg, als den Mittelpunkt der Gesammtleistungen. Unter dem Hauptgesimse des Piedestals, auf dem die drei, 11 Fuß hohen Statuen stehen, ist ein ornirter Raum, auö dem 14 Köpfe der vorzüglichsten Typographen aller Zeiten und Nationen hervortreten, die seit- dem Entstehen der Erfindung bis auf unsere Zeit dieselbe weiter ausbildeten und zur jetzigen Höhe der Vollendung brachten: William Carton, Aldus Manutius, Estienne, Hans Luft, Egenolph, Elzevir, Feierabend, Breitkopf, Bodoni, Didor, Tauchnitz, Brön- n er, Andreae, König. Unter diesen befinden sich auf den vier Hauptseiten vier- Statuen, welche die Wappenschilder von den Druckorten halten, die in verschiedenen Ländern während des ersten Jahrhunderts nach der Erfindung geblüht, nem- l'ch die Wappen von Mainz, Strasburg, Venedig und Frankfurt. Unter diesen Figuren stehen auf dem untern Theile des Piedestals, der Stellung der obern Figuren entsprechend, die Namen Guten­berg, Schösser, Fust, neben deren Wappen. Gegen die vier Hauptecken des Piedestals (auf der Diagonale des oblongen Grund­risses mit abgestumpften Ecken) sitzen zwar etwas entfernt, aber durch Strebepfeiler mit dem Hauptmonumente verbunden, auf nie­deren Postamenten, vier weibliche Figuren, welche die Hauptrichtun­gen der geistigen Tätigkeiten vorstellen, für welche die Erfindung des Buchdrucks vorzüglich eine Wohlthat war, nemlich die Theo­logie, Poesie, Naturforschung und die Industrie, als Ge- werbthätigkeit im Allgemeinen *). Die Theologie ist dargeftellt, auf einem Sockel sitzend, auf dessen einer Seite die Gesetztafeln und das Schwerdt, als Zeichen des alten Bundes, angedeutet sind, wäh­rend die andere ein Ornament von Aehren und Weinreben als Symbol des Neuen ziert. Auf dem. Schoße der Figur ruht eine Pergamenirolle und ein Buch, das alte und neue Testament, von deren Betrachtung die Figur sich für Augenblicke abzuwenden scheint, um der neuen Erfindung ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Das Piedestal, auf dem diese Figur sitzt, enthält das Distichon:

*) Geschichte und Jurisprudenz konnten speciell nicht angedeutet werden wegen der nothwendig viereckigen Disposition des Gan­zen; die Philosophie indessen liegt in den drei ersten Thatigkeiten inbegriffen.

- Wann sonst einen erquickte die heilige Quelle der Bibel,

Schöpfen sich Tausende jetzt labenden Trost des Gemüths,

Und in ein jegliches Haus kehrt ein, Nachahmung des Heilands Lehrend mit seligem Wort, Thomas » Kempis als Gast.

Die Poesie, eine halbbekleidete jugendliche Figur mit Flügeln und Lorbeern, hält die Lyra in der Linken, und stützt die Rechte, in rascher Bewegung nach den drei Erfindern gewandt, auf den Rand ihres Sitzes, der auf einer Seite in Basrelief eine Figur enthält, welche die Cultur der schönen Künste im Allgemeinen durch die Eule der Minerva u. s. w- andeutet, und auf der andern Seite eine Figur, die durch eine Rolle in der Hand den Antheil an der Geschichte anzeigen soll, die schon in der frühesten Zeit die Poesie an jeder Geschichte hat. Das folgende Distichon schmückt die Vor­derseite des Piedestals, auf dem diese Figur sitzt:

Klingt aus seliger Fülle des Geift's ein Gesang, er verhallt nicht Einsam oder erfreut wenige Hörer allein;

Jetzt in geflügeltem Schwung zieht rasch von Völkern zu Völkern Jegliches Lied und stimmt ein im gewaltigen Chor.

Die Naturforschung stellt eine ältere ernste Frau mit einer turbanartigen Kopfbedeckung dar, die in der rechten Hand eine Himmels­kugel hält, und in der Linken officinelle Kräuter, die gesammte Heilkunde andeutend. Die Ecken ihres Sitzes sind geziert mit den Figuren der Mutter Natur, gewöhnlich die ephesische Diana genannt, und die Seiten desselben enthalten die Figur des pythagoräischen Lehrsatzes, und die Zeichnungen eines Thierskelits; Retorten und Schmelztiegel lehnen sich an den Sitz, indem so die Hauptrichtun­gen der Forschung bezeichnet sind. Die Vorderseite des Piedestals enthält folgende Zeilen:

Rastlos schafft und erfindet der Mensch, dem bedürftigen Leben Holden Genuß, Anmuth, würdigen Schmuck zu verleih'n;

Herrlich gedecht's, da Tausend und Tausende sinnen gemeinsam, Zwar in dem Raume getrennt, zauberisch aber gesellt.

Die Industrie endlich ist dargestellt durch eine blühende weib­liche Figür, die in der Rechten das Modell einer Maschine hält, und die Linke auf eine Rechnen-Takel stützt, von der ab sie das Haupt nach der neuen ihr so beförderlichen Erfindung wendet. Ihr Sitz ist geziert mit dem Merkurftabe, als dem Hauptförderer ihrer Bestrebun­gen, und dem Pfluge, als dem Beginn und dem einfachsten Elemente derselben. Das Distichon auf dem Piedeftal heißt:

Himmel und Erd' umfasset der Mensch und bezwingt Elemente, Wunder erforschend, gebeut riesigen Kräften mit Macht,

Lebt abwesend sogar, einheimisch vertraut in des Erdballs Ländern gesummt, seitdem Gutenderg baute den Steg,

Und zu der feurigen Säule des Lichts jedweder Erkennlniß Blitzenden Funken vereint, rasch von dem Pole zu Pol.

Es fehlte nun noch eine Bezeichnung, um den heutigen Stand der Erfindung auszudrücken, und diese war die Andeutung der räum­lichen Ausdehnung, die dieselben seit ihrem Entstehen genommen. Der Künstler glaubte dieß aus paffende Weile durch die Darstellung der vier Haupt-Welttheile zu thun, und indem er zu diesem Zwecke die Form von Fontainen wählte, verband er mit dem sprechenden Bilde der Quelle des neuen Lebens, welche zu jedem Welttheile gedrungen, den Vortheil der wirklichen lebendigen Bewegung, die bei Monu­menten der Art unentbehrlich ist. *) Die Art, wie die Welttheile charakterisirt sind, ist folgende: Europa hat einen Stier in lebendiger Bewegung auf einem gothischrn Piedestal; Asien einen Elep bauten auf einem Piedestal von indischer Architektur. Afrika eine ruhende Löwin in altägyptischem Style auf gleichem Sockel, und Amerika ein Lama, das auf einer altmerikanischen Architektur steht. Der Umhang, welcher das ganze Monument bis zu seiner Enthüllung verdeckte, enthielt auf der Vorderseite die thro­nende Figur des Kaisers Friedrich III., unter dessen Regierung die Erfindung statt fand; auf der rechten Seite das Frankfurter Wap­pen als Zeichen des Festortes, auf der linken das von Mainz als Ort der Erfindung und auf der hintern das deutsche Reichswap­pen. Die Höhe des ganzen Monumentes ist 40 Fuß.

*) Diese Fontainen wurden auf den Plätzen aufgestellt, welche am ersten Tage der Feier die Pressen einnahmen; deshalb konnte man sie erst am zweiten Tage, nach Wegräumung dieser Pres­sen, errichten.