Die Theologie ist dargeftellt, auf einem Sockel sitzend, auf dessen einer Seite die Gesetztafeln und das Schwerdt, als Zeichen des alten Bundes angedeutet sind, während die andere ein Ornament von Aehren und Weinreben als Symbol des Neuen ziert. Auf dem Schoße der Figur ruht eine Pergamentrolle und ein Buch, das alte und neue Testament, von deren Betrachtung die Figur sich für Augenblicke abzuwcnden scheint, um der neuen Erfindung ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Das Piedeftal auf dem diese Figur sitzt, enthält das Distichon: Wann sonst einen erquickte die heilige Quelle der Bibel,

Schöpfen sich Tausende jetzt labenden Trost des Gemüths,

Und in ein jegliches Haus kehrt ein, Nachahmung des Heilands Lehrend mir seligem Wort, Thomas ä Kempis als Gast.

< Die Poesie, eine halbbekleidete jugendliche Figur mit Flügeln und Lorbeern, halt die Lyra in der

Linken, und stützt die Rechte, in rascher Bewegung nach den drei Erfindern gewandt, auf den Rand ihres Sitzes, der auf einer Seite in Basrelief eine Figur enthält, welche die Cultur der schönen Künste im Allgemeinen durch die Eule der Minerva u. s. w. andeutet, und auf der andern Seite eine Figur, die durch eine Rolle in der Hand den Antheil an der Geschichte anzeigcn soll, die schon in der frühsten Zeit die Poesie an jeder Geschichte hat.

Das folgende Distichon schmückt die Vorderseite des Piedestals, auf dem diese Figur sitzt.

Klingt aus seliger Fülle des Geists ein Gesang, er verhallt nicht Einsam oder erfreut wenige Hörer allein;

Jetzt in geflügeltem Schwung zieht rasch von Völkern zu Völkern Jegliches Lied und stimmt ein im gewaltigen Chor.

Die Naturforschung stellt eine altere ernste Frau mir einer Turbanartigen Kopfbedeckung dar, die in der

rechten Hand eine Himmelskugel halt, und in der Linken offtcinelle Kräuter, die gesammte Heilkunde andeutend.

Die Ecken ihres Sitzes sind geziert mit den Figuren der Mutter Natur, gewöhnlich die Ephesische Diana genannt, und die Seilen desselben enthalten die Figur des Pythagoräischen Lehrsatzes, und die Zeichnungen eines Thier- skclets; Retorten und Schmelztiegel lehnen sicl^ an den Sitz, indem so die Hauptrichtungen der Forschung bezeichnet sind.

Die Vorderseite des Piedestals enthält folgende Zeilen:

Rastlos schafft und erfindet der Mensch, dem bedürftigen Leben Holden Genuß, Anmutb, würdigen Schmuck zu verleihn;

Herrlich gedeihts, da Tausend und Tausende sinnen gemeinsam,

Zwar in dem Raume getrennt, zauberisch aber gesellt.

Die Industrie endlich, ist dargestellr durch eine blühende weibliche Figur, die in der Rechten das Modell

einer Maschine hält, und die Linke auf eine Rechnen-Tafel stützt, von der ab sie das Haupt nach der neuen ihr

so beförderlichen Erfindung wendet. Ihr Sitz ist geziert mit dem Merkurstabe als dem Hauptförderer ihrer Bestre­bungen, und dem Pfluge, als dem Beginn und dem einfachsten Elemente derselben.

Das Distichon auf dem Piedestal heißt:

Himmel und Erd' umfasset der Mensch, und bezwingt Elemente,

Wunder erforschend, gebeut riesigen Kräften mit Macht,

Lebt abwesend sogar, einheimisch vertraut in des Erdballs Landern gesammt, seitdem Gutenberg baure den Steg,

. Und zu der feurigen Säule des Lichts jedweder Erkcnntniß

Blitzenden Funken vereint, rösch von dem Pole zum Pol.

Es fehlte nun noch eine Bezeichnung, um den heutigen Stand der Erfindung auszudrücken, und diese war die Andeutung der räumlichen Ausdehnung, die dieselben feit ihrem Entstehen genommen. Der Künstler glaubte dies auf passende Weise durch die Darstellung der 4 Hauptwelttheile zu thun, und indem er zu diesem Zwecke die Form von Fontaine» wählte, verband er mit dem sprechenden Bilde der Quelle des neuen Lebens, welche zu jedem Welttheile gedrungen, den Vortheil der wirklichen lebendigen Bewegung, die bei Monumenten der Art unentbehrlich ist. *) Die Art wie die Welttheile charakterisirt sind, ist folgende:

Europa hat einen Stier in lebendiger Bewegung auf einem Gothifchen Piedestal;

Asien einen Elephanten auf einem Piedestal von Indischer Architektur;

- Afrika eine ruhende Löwin in altägyptischem Style auf gleichem Sockel und

Amerika ein Lama, das auf einer altmexikanischen Architektur steht.

Der Umhang, welcher das ganze Monument bis zu seiner Enthüllung verdeckt, enthalt auf der Vorderseite die thronende Figur des Kaisers Friedrich III., unter dessen Regierung die Erfindung statt fand; auf der rechten Seite das Frankfurter Wappen als Zeichen des Festortes, auf der linken das von Mainz als Ort der Erfindung, und auf der hintern das deutsche Reichswappen. Die Höhe des ganzen Monumentes ist 40 Fuß.

*) Diese Fontainen werden auf den Plätzen aufgestellt, welche am ersten Tage der Feier, die Pressen einnehmen: deshalb wird man sie nur nach Wegrälnnung dieser Pressen, erst am zweiten Tage errichten können.

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