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Geschichtskalender der Vorzeit.

24. Juni.

Die Freier des dritten Säku laufe fies der Erfindung drrBuch- druckerkunst am 2ffl. Juni 171t) in ffvanffuvt a. fflt*

3(m heutigen, so festlichen Tage und es hundert Jahre, daß es Frankfurt zum erstenmale vergönnt war, jene weltgeschichtlich wich­tigste aller Erfindungen, die Druckkunst, mit würdigen Formalitä­ten zu begehen. Kriegsereignisse und sonstige störende Zeitumstände waren in den beiden vorhergegangenen Jahrhunderten uö4o und 1640) die Hindernisse gewesen zur Begehung eines solchen erhebenden Dankfestes." Das erste Sakularfest 0540) feierte nur die Stadt Wittenberg, einer der zuerst berühmt gewordenen Druckorte. Das zweite 0640) feierten Leipzig, Jena, Breslau und Strasburg. Im Jahre 1740 aber wurde das dritte Sakularfest in Deutschland, dem Vaterlands jener folgewichtigen Erfindung, jener Erfindung, welche uns heute einFest der gereiften Menschheit" feiern läßt, schon allgemeiner gefeiert. So auch in unserem Frankfurt, das sich heute, wie immer, glückt ch schätzt, dergoldenen Wiege" dieser weltbeglük- kenden, gottgeweihten Druckerkunst, unserem nachbarlichen freundttchen Mainz, so nahe zu stehen. Heute vor too Jahren also war es, wo sammtliche Buchdrucker-Herren Frankfurts in feierlicher Pro­zession, von der Andresiischell Behausung in der Mainzergahe aus, in öffentlichem Kirchengairg sich nach den Barfüßern (der jetzigen St. Paulskirche) bewegten. Die P incipale, acht an der Zahl mit 46 Gehülfen (während jetzt Frankfurt 18 Druckereien mit 177 Gehül- fen zählt, außer fünf Schriftgießereien mit 64 Schüssen), waren schwarz gekleidet und trugen röche Mäntel. In der Kirche zu den Barfüßern ward, nach Absingung eines Liedes und nach Musicrrung einer gut componirtcn Cantate, unter Trommel- und Paukenschall durch die Capelle, von H- n. l>r. M ünde n die Dank- und Festpredigt gehalten, nach welcher das Tedcmn laudairms:Herr Gott dich loben wir" die kirchl Feier endigte. Später, am Montage den 27. Juni, hatte bei Gelegenheit des Postulates von sieben Gliedern der Topo­graphie eine Mahlzeit bei Pauken- und Trompetenschall statt, w lcher damals auch die beiden regierenden Herren Bürgermeister, Schöffen und Direktoren des Consistvriums beiwohnten und bei welcher Gele­genheit die Buchdrucker-Gehülfen gütlich bewirthet wurden. Auch wurde m diesem Jahre des vorigen Säkulums im G mnasium bei den Progressionen zwei gelehtte Orationen zuin Andenk.n an diese frohe Jubelfeier gehalten. (Ausführlicheres über diese dritte hiesige Säkularfeierlichkeit sowohl, wie über die ersten Buchdrucker Frankfurts, habe ich schon in den Nummern 27 1 bis 274, Jahrg. 1837 der Didaskalia, nach 1>r. Mündens Ueberlieferung.n mitgetheilt.)

A. Ha mm er an.

D e n t f d) l a n &*

(ZZevlise, 20. Juni. Corresp.) Vis jetzt haben schon zehn deutsche Bundessiuften ihre Gesandten hierher geschickt, um zu conduliren und zugleich zum Regierungsantritt zu gratu- liren. Dagegen gehen m diesen T«geu sieben Generäle an die deutschen ^)öfe ab; nach Paris und London werden ebenfalls später außerordentliche Gesandten abgehen. Mit der Sendung nach Paris war der kürzlich außer Dienst getretene, nachmals wieder zum General-Adjutanten ernannte Hr. von Natzmer beauftragt worden; derselbe hat sich aber wegen Kränklichkeit entschuldigt, und ist bereits auf sein Gut nach Schlesien abge­reist. N?an nennt nun die Generäle v. Pfu e l, Commandiren- der in Westphalen und Gouverneur von Neufchatel, oder auch den Commandanten von Luxemburg, General v. D u m ou l i n, der bereits dem König Louis Philipp durch eine frühere Sendung bekannt ist. Eben so wenig entschieden ist noch, ob General- Lieutenant v. Luck, früher Gouverneur des jetzigen Königs und kürzlich zum Gen.-Adjut. ernannt, sich in diesen Angelegenheiten nach London begeben wird. Gestern war der König in der Hauptstadt, um bei einem Ministerrath, der bereits gegen 0 Uhr begann und bis gegen 1 Uhr dauerte, zu präsioiren. Das von Jahr zu Jahr an Interesse bei uns verlierende Pferderen­nen hatte auch heute, wo zum ersten Mal für diesis Jahr ein Rennen stattfand, nur ein sehr geringes Publikum gefunden. Mit der gewonnenen Ueberzeugung, daß diese Productionen kei­nen Nutzen auf die Pferdekultur des Landes haben, sinkt das Ganze zur Speculation einiger vornehmen Pferdeliebhaber und Roßhändler herab.

(ÄAersekreZr, 21. Juni.) Wir erhalten aus München den dort vielfach verbreiteten und höchst interessantenAuszug aus dem Vortrage des Fürsten v. Dettingen-Wall erste in über die Ausgaben der zwei letzten Jahre der dritten und des ersten der vierten Finanzperiode 18361838", welcher sich theilweise über die frühere Minister-Wirksamkeit des Fürsten verbreitet. Heute theilen wir daraus die Schlußbemerkung dcs Herrn Für­sten mit:

Uebrigens wird Referent seine Berichterstattung über eines der ernstesten Vorkommnisse unserer konstitutionellen Geschichte

nicht schließen, ohne frei und offen auszusprechen, was wohl jeder seiner verehrten College» mitfühlen dürfte. Viel wird heutzutage über Verfassungen geschrieben. Den Freunden der gemäßigten Monarchie hat sich eine absolutistische Meinung ent- gegengestellt, welche jeder Dazwrschenkunft der Regierten m die Regierungsangelegenheiten abhold, das e'ttst inoi und

das lout pour, rien pur le peuj>!e als Inbegriff allerRegie­rungsweisheit betrachtet. Theoretische Gegensätze sind nothwen- dige Begleiter des menschlichen Denkvermögens. So alt als die Gesellschaft, und erst mit dieser sterbend, zählen sie sogar zu den befruchtenden Elementen des geistigen Lebens. Aber schlimm wäre es immerhin, könnten die erwähnten Dogmen Einbürgerung finden, namentlich im Rathe deutscher Fürsten. Das Eingreifen der Völker in Fragen ihres Wohles gehört nicht etwa blos der neuesten Ge­schichte an. Ihm huldigten die mächtigsten Staaten des Alterthums so gut, als das Mittelalter, dessen Institutionen von den Südküsten Spaniens und Italiens bis zum äußersten Norden, vom Welt­meere bis zum Niemen und zur Drau Kraft und Majestät des Herrscherthums sehr wohl zu verbinden wußten mit weit grei­fenden Landesrechten. An den Zerfall dieses naturgemäßen Rcchts- zustandes, an die Dynastisirung der National-Interessen knüpft sich zunächst jener des jugendfnschen Staatenthums, das Dahin- schwmden großherziger Ideen, das Verflachen der Gesinnungen und Gefühle, das Erbleichen des religiösen wie des politischen Elements und in nothwendiger Consequenz jener furchtbare Orkan, dem die französische Revolution Anlaß und Name gab. Und bietet das seit Anfänge dieses Jahrhunderts unter den verschie­denartigsten Formen größtentheils wieder eingeführte Ständewesen mannigfache Gebrechen dar, so dürste der Grund nicht dem Prinzipe selbst, sondern ausschließend jener unglücklichen Idee beizumessen seyn, welche den Damm gegen Uebergriffe nicht in aufrichtiger Ausbildung des Geschaffenen, nicht in großartiger Gestaltung, Entwicklung und Gliederung des corporativen Ele­mentes (dieser confervativften aller konservativen Grundlagen), sondern in Verkümmerung, in unnatürlicher, oft zu eng, oft zu weit zugemeffener Begranzung des Geschaffenen sucht. Sind Verfassungen' für Staaten zweiter und dritter Größe wichtiger, als für jene erster Ordnung, weil hier die öffentliche Meinung etwas Selbstständiges, nach Umständen zu vollbrachten That- sachen Führendes, also unter allen Voraussetzungen Beachtungs- gebietendes ist, während dort internationale Verhältnisse aller Art die Geltendmachung ja häufig gegen das Entstehen eines Ge­summt - Dafürhaltens hindern, so bewegt sich auch hinwieder das konstitutionelle Räderwerk bei erfteren unendlich schwerer, ob der in gewöhnlichen Zeiten unbedeutenden Action der äußern Politik, welche solchen Regierungen einen wesentlich administrativen Cha­rakter beilegt, und beide Theile gerade auf jenes Gebiet zusam­mendrängt, das in großen Reichen vorzugsweise parlamentärer Einwirkung zugewiesen zu werden pflegt. Größere Schwierig­keiten aber dürfen von Verfolgung eines als gemeinnützig erkannten Zieles nicht abschrecken. Namentlich wäre ein solches Sichabschrek- kenlassen schlimm für die deutschen Fürsten. Denn wer vermöchte es zu läugnen: über Deutschland graut der Morgen einer neuen Geschichtsphase. Was die Proclamationen und Zusagen der Herr­scher in den Jahren 1813, 1814 und 1816 moralisch gesäet hatten, ist durch den Zollverein zu einem Anfänge positiver Ver­wirklichung gelangt. Schon sind die materiellen Interessen von beiläufig 10,600 Quadratmeilen und 22 Millionen Seelen zu Einem Ganzen verschmolzen; schon exiftirt zwischen Rhein, Weser und Oder, zwischen den Karpathen und den Tproler Alpen ein großes agricol commerzielles Deutschland; das materull Begrün­dete greift bereits tief in die Ideen über, und die Generalisi- rungs-Tendenz keimt, wenn auch bewußtlos, doch mächtig auf in allen Gauen des ehemaligen römischen Reiches. Hier ste­hen tausendjährige Erinnerungen im Angesichte junger, kauen ge­borener Nationalitäten. Wissen die Negierungen ^letztere gebüh­rend zu kräftigen, machen sie durch vernünftig freie Bewegung der Gedanken und Interessen, durch musterhafte Gesetzgebung und tress'iche befruchtende Verwaltung dem Eiuzelnen seine Hei- math werth, so lebt der Territorialism neben dem Germanlsm fort in den verschiedenen Stämmen, und die gegenwärtige Staaten- Circumscription bleibt um so mehr eine volkstümlich Vitale, als das Best. Ken des Besondern neben dem Allgemeinen, das Zerfallen der Gesammtfamilie in selbstständig waltende Spezial­familien, wie zu Tacitus Zeiten, so auch jetzt noch einen Grund­typus des deutschen Cbaracters bildet. Würde aber versäumt, was unter solchen Constellationen doppelt noth thut, fühlte sich das Individuum durch die Unbehaglichkeit oder unfreundliche Ausstattung des Familien-Hausis binausgedrängt aut das weit Forum des gemeinsamen Vaterlandes; erkaltett der Territoria - Patriotismus über kleinen inneren Zerwürfnissen, dann wiche auch