54 Göttingische gel. Anzeigen

Ich beschränkte mich nie auf eine einzige Me­thode, gleichsam auf einen gewissen angenomme» nen Schlendrian das Gehirn zu untersuchen, son­dern ich gebrauchte sowohl stumpfe als scharf- schneidende Messer, ich ließ das Gehirn bald in Wasser zergehen, bald in der Luft trocknen, ich ließ es bald frieren, bald kochen; ich zerstreifte oder zerrupfte und zerschnitt es; ich wendete Einsprützungen, Vergrößerungsgläser und chemi­sche Reagentien an; ich beobachtete seine Verän­derungen im Weingeist und während der Fäul- niß; kurz ich suchte das Gehirn von allen Sei­ten, auf jede mir bekannte Weise zu erforschen und kennen zu lernen, und kann mir daher we- uigstens Einseitigkeit bey der Untersuchung des­selben gar nicht Schuld geben. Jede Methode, die mich etwas Neues lehrte, war mir gleich willkommen. Meine Hirn- und Nervenleh­re, worin ich die Resultate aufzeichnete, enthält hiervon hinreichende Beweise. Herr Dr. G. hin­gegen eifert gewaltig, nicht nur gegen alle An­wendung des Messers, gegen alles Zerschneiden, sondern selbst gegen alle Untersuchung von Ge­hirnen im Weingeiste. Natürlich, weil sich als­dann die Unstatthaftigkeit seiner sogenannten Ent­faltung jedem verräth; weil das Gegentheil als­dann gar zu leicht demonstriert werden kann. Er darf von dieser Einseitigkeit seiner Zerglie­derung nicht abgehen, ohne seine Behauptung Preis zu geben.

Um jedoch allen Verdacht von pedantischer Ei­fersucht oder unfreundlicher Unbilligkeit zu ent­fernen, will ich actenmäßig durch vorgelegte Zeug­nisse beweisen, daß Hn. Dr. G. Ansicht von der Entfaltung des Gehirns weder etwas Neues ist, noch uns in der Kenntniß des Gehirns um das mindeste fördert, sondern daß sie im Ge-