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Wenn wir zum Beyspiel, beym Anhören oder Lesen einer Nachricht, erschrecken, uns ein Schauder über­fallt, unsere Haut dadurch erbleicht, zusammengezo- gen und trockener wird, so kann dies schwerlich an­ders , als durch eine Zurückwirkung des Hirnes auf die Haut und Blutgefäße begriffen werden; denn die Empfindungen durch die Ohren oder Augen machten das Hirn rege, und dies wirkte durch die Nerven auf die Haut zurück, dies ist gewiß. Allein wirkte hier das Hirn durch die Nerven auf die Muskelfasern, die in der Haut oder in den Hautgefäßen liegen, welche Muskel­fasern aber nicht nur durchs Messer und durch die blos­sen Augen, sondern selbst durchs Vergrößerungs­glas ihrer Feinheit wegen unentdeckbar sind? Oder sind die Nerven selbst, in der Haut oder in den Hautge­fäßen so eingerichtet, daß sie auch ohne eigentliche Mus­kelfasern diese Wirkung auf der Haut hervor bringen?

Das Erröthen der Schamhaften, das Erblassen der Furchtsamen, das Glühen der Zornigen, das Er­kalten der Traurigen läßt sich auf gleiche Art noch am wahrscheinlichsten erklären.

Die Gallenblase, der Uterus, die Blendung im Auge, die männliche Ruthe , die Gefäße einiger Drü­sen zeigen zwar dem Zergliederer keine deutliche Mus­kelfasern; allein ihre Wirkungen verrathen doch et­was muskelähnliches.

S. Muäkellehre. D