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Ein schwach gerührter Nerve empfindet eine stär­kere Rührung ohne Anstand; allein nicht umgekehrt, sondern es braucht einige Zeit, ehe ein heftig gerühr­ter Nerve für eine schwächere Rührung wieder em­pfänglich wird; z.B. nach einem schwachen Tone ver­nimmt man ohne Anstand einen starken; allein nicht umgekehrt einen sehr schwachen gleich nach einem sehr starken. Sehr kalte Hände in zehn Grad warmes Wasser gebracht, fühlen die Wärme desselben, aber nicht dreyßig Grad warme Hände.

Kurz, eine stärkere Empfindung dämpft eine schwächere. Die Sehenerven, als die zärtesten, empfindlichsten, vertragen keinen schnellen Uebergang, weder von grellem zu schwachem, noch von schwachem zu grellem Lichte.

Auch scheint eine mäßige Spannung der Nerven ihr Empfindungsvermögen zu erhöhen, daher empfin­den die Nerven der Zunge, der Brustwarzen, des männlichen Gliedes, des Kitzlers, erst dann am heftig­sten, wenn diese Theile durch eingetretenes Blut aus­gedehnt, folglich ihre Nerven gespannt werden.

§. 341 -

Die Geschwindigkeit, mit der eine Empfindung durch die Nerven ins Hirn gelangt, ist so groß, daß wir den Zeitraum zwischen der Berührung und dem