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ERKLAERUNG
DER
ACHTEN TAFEL.
Profil des Gesichtsorganes ron der linken Seite angesehen; oder ebene Fläche des senkrechten Durchschnitts des Kegels der linken Augenhöhle, nebst den in ihm enthaltenen Theilen.
Der Schnitt ward so geführt, dafs er den Kegel der Augenhöhle, beyde Augen - lieder, und den Augapfel mit seinen Theilen, in zwey gleiche Hälften, eine innere und eine äufsere Hälfte theilte, wovon hier die ebene Fläche der innern Hälfte erscheint.
Man mufs sich wundern, dafs bey den häufigen und mannigfaltigen Untersuchungen und Abbildungen des menschlichen Gesichtsorganes niemand darauf verfallen zu seyn scheint, sämmtliche Theile dieses delicaten Organes, mittelst des einfachsten Schnittes im Zusammenhänge zu untersuchen, und ihre verhältnifsmäfsige gegenseitige Lage, in soviel möglich unverrückter Beschaffenheit kennen zu lernen.
Um so mehr scheine ich mir berechtigt, die Darstellung des menschlichen Gesichtsorganes auf dieser Tafel für neu> originell und wichtig zu halten.
Wegen der Eleganz in der Ausführung bey der genauesten Richtigkeit im Umrisse möchte ich sie fast das Meisterstück meines Künstlers nennen. Er liefs sichs aber auch'nicht verdriefsen, zehn verschiedene mühsame Skizzen, nach meiner Grundzeichnung zu verfertigen, bis er diese Darstellung zu Stande brachte.
Sämmtliche Theile des Gesichtsorganes, die sich hier zur Ansicht darbieten, sind vollkommen in ihrer natürlichen Lage geblieben. In dern Originale zur ersten Figur, traute ich mir kaum mit dem Messer durch Wegnahme von etwas Fett, das mindeste nachzuhelfen, um hin und wieder manches schärfer zu erhalten, weil dieses leicht die Lage manches zarten Theiles stören konnte.
Ich wüfste nicht, ob bey aller Einfachheit des Schnittes, und anscheinender Kunstlosigkeit der Abbildung, irgend eine Darstellung vom Gesichtsorgane in gegenwärtigem Werke lehrreicher, als diese, ausgefallen seyn möchte. Man sieht aus der langen Liste der specificirten Theile, und der ansehnlichen Menge von Buchstaben, die sie bezeichnen, wie vieles sich in diesem nicht über die gewöhnliche natürliche Gröfse ausgedehnten Bezirke dieser ebenen Fläche erkennen läfst.
Freylich