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VIII

immer nur ein dürftiges Gleichnifs bleibt: so ist wohl nichts bil­liger, als dafs man dieses wenigstens so nahe als möglich der Natur zu bringen trachtet, oder dafs man es so gut als man nur immer vermag, darstellt; es bleibt ja dennoch unvollkommen genug. In dieser Rücksicht würde es wohl ein höchst unstatt­hafter Vorwurf seyn, wenn man z. B. von der zweiten und dritten Figur der zweiten Tafel sagen wollte, diese Nerven, diese Arte­rien seyen für den Liebhaber viel zu genau, viel zu fein genom­men. Mich beseelt der Wunsch, sie noch genauer, noch feiner ohne Erdichtung darstellen zu können. Diese Bemerkung steht übrigens mit dem, was ich vom Idealisiren bey Gelegenheit der Erklärung der fünften Tafel äufsere, keineswegs im Wider­spruche. In einigen wenigen Punkten, z. B. über die Lage der Linse im Profildurchschnitt, läfst sich freylich Unerfahrnen die wahre Beschaffenheit der Lage leichter in einer Zeichnung als selbst in der Natur zeigen, folglich könnte man in dieser Rück­sicht sagen, die Darstellung durch die Kunst übertreffe die Dar- zeigung in der Natur, oder eigentlich wohl richtiger, die Kunst hilft bey ihrer Darstellung diesem zerrütteten Umstande im dar­gelegten Präparate nach. Denn wenn auch in diesem einzigen Punkte, wovon im Grunde doch nur unsere Unfähigkeit, gehörig den Augapfel zu halbiren, schuld ist, die Betrachtung der rich­tigen Abbildung eine deutlichere Kenntnifs als die Betrachtung des Originals in der Natur verschafft: so bleibt die Kunst doch in allen übrigen Punkten gerade in diesem gegebenen Falle weit hinter der Natur zurück. Weder demBleystift, noch dem Pinsel, noch dem Grabstichel, ist die krystallhelle Beschaffenheit der Linse oder die Feinheit und Durchsichtigkeit ihrer Kapsel erreichbar.

Physiologen von Profession, die schärfere Untersuchungen verlangen, suche ich aufser der allgemeinen Erklärung, durch