$ \ 4 ; ,'W'
24
Die Venen der Augenlieder haben im Allgemeinen die Beschaffenheit, welche wir an den meisten Venen im menschlichen Körper bemerken, nämlich.
dafs ihre Menge oder Anzahl, in geradem Verhältnifs zu der Menge oder Anzahl der Arterien sich befindet.
Dafs sie im Verhältnifs zu den Arterien durchaus dicker oder weiter sind.
Dafs selbst ihre gröberen Aeste häufig zusammenmünden, und sehr unregel- mäfsige Netze oder Geflechte bilden.
Dafs sie näher oder flächer als die Arterien unter der Haut liegen.
Dafs sie weniger regelmäfsig konisch als die Arterien erscheinen.
Dafs sie platter zu seyn pflegen, aufser wenn sie zufällig von Blut strotzen.
Dafs sie weniger geschlängelt als die Arterien fortlaufen.
Dafs sie wie Hautvenen, ohne von einer Arterie begleitet zu wei den, fortlaufen, und sich auch in Stämme sammeln, die nicht genau den Lauf der Arterienstämme halten.
Dafs ihre feineren Würzelchen sich nicht so leicht als bey den Arterien für sich bestehend erkennen und abbilden lassen: denn werden die Venen durch die Arterien mit gleich gefärbter Masse angefüllt; so kann man sie nicht füglich von den feinem Arterien unterscheiden; werden die feinem Würzelchen der Venen durch ihre Stämme gefüllt, so tritt gewöhnlich die eingesprützte Masse auch gleich in die Arterien über und erschwert den Unterschied.
In Ansehung der Feinheit erreicht also diese Abbildung nicht die Abbildung der Arterien in der dritten Figur.
In grofsen und zarten Augenliedern, besonders bey schlafenden Kindern oder Frauenzimmern, erkennt man selbst im Leben, sehr deutlich durch die Haut, dieses schöne Netz der Venen.
Durch diese Abbildung wird sehr anschaulich, wie leicht das Blut von den Augenliedern weg, in allen Richtungen sich verlaufen kann, da rings um die Augen-
9
lieder ansehnliche Stämme sich befinden, die gleichsam einen Kreis bilden, in welchen die Würzelchen der Venen sich begeben können.
Auch erkennt man sehr deutlich, wie durch häufige Zusammenmündungen der feinem und gröbern Aeste, dafür gesorgt ist, dafs nirgends eine Stockung des Blutlaufes entstehen kann.
Uebrigens schildere ich den Verlauf.der Venen, in folgender näheren Erklärung dem Laufe des Blutes gemäfs, das ist, von den Zweigen zum Stamme.
Die Venen der Augenlieder, welche mit ihren ersten Wurzeln aus den Haararterien entspringen, nachdem solche bis auf einen gewissen Grad feiner geworden, zeigen sich hier
a. a. d.