Falscher, durch ein Instrument gemachter Weg in der Harnröhre.

(Fausse route.) * i

§. 127.

Ein vorsichtiger Wundarzt, welcher das vorhin Angeführte gehörig beob­achtet, wird nicht leicht in den Fall kommen, di&ses Unglück, nämlich neben der Strictur einen neuen Kanal in dem männlichen Gliede gegen das Mittelfleisch hin zu verursachen. Allein selbst in unseren Tagen erlebt man noch diesen Fall. Ich will nur ein Paar Gewährsmänner als Zeugen an­führen. Ricou Ä ) erzählt zwey tödtliche Fälle von einem 65 jährigen und einem 75jährigen Manne. Auch Wich mann h ) sah einen solchen falschen Weg zweymal in Leichen. Herr Naüche') gedenkt einiger ihm, selbst in den allerneuestenZeiten, von französischen Wundärzten vor­gekommenen Fälle, und Herr Tartua hebe ein Präparat in Weingeist auf, in welchem sich 7 bis 8 solcher durch Sonden und Bougien gewalt­sam gemachte^ Wege zeigen.

Gesezt also, man wird zu einem solchen Falle gerufen, so mufs man hier nach den Umständen mit grofser Ueberlegung verfahren, weil sich die wenigsten Fälle ganz gleich zu seyn pflegen. Meistens haben sie einen Abscefs zur Folge. Im Allgemeinen räth man, falls sich der falsche'Weg diesseits des Bulbus befindet, auf einer in diesen falschen Weg eingebrachten Sonde den Kanal aufzuschlitzen, ihn gehörig zu erweitern, um die Ver­engung zu durchstofsen, und eine Sonde vorwärts durch die Eichel zu bringen.

a) Museum der Heilkunde Helvetischer Aerzte im Iten Bande.

2>) Ideen zur Diagnostik. IHter Theil. S. 7.

Nouvelles reclierches sur les Retentions cfurine. 3eme edition. 1806. Sect. VI,