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trachtet a ) daher diese krankhafte Veränderung auch vorzüglich, als die Muskelhaut der Harnblase betreffend, sezt aber doch selbst hinzu, dafs diese Verdickung eine Abweichung vom allgemeinen Plan der Natur, in Rücksicht der Zunahme der Muskeln durch Uebung, schiene. Wenn näm­lich andere Muskeln durch Anstrengung und Uebung vergröfsert würden, erhielten sie zugleich eine dunklere Farbe, auch kenne er kein anderes Bey- spiel im Körper von einem Muskel, welcher um so viel über seinen natür­lichen Umfang, als Folge vermehrter Anstrengung, vergröfsert würde, als die Muskelhaut der Harnblase. Sehr richtig bemerkt er übrigens, dafs man bisweilen eine solche Verdickung der Harnblase irrig für Scirrhus an­gesehen habe.

Die Abbildung einer verdickten Harnblase bey Böhmer 4 ) verdient, wegen der äufsersten Sorgfalt und Genauigkeit, womit sie gezeichnet und gestochen ist, eine besondere Erwähnung, ungeachtet sie eine weibliche Harnblase vorstellt.

Gewöhnlich ist eine verdickte Harnblase zu gleicher Zeit hart, steif, unbiegsam, ja zuweilen knorpelhart. Dieser Zufall läfst sich daher mit einer Callosität an andern Theilen vergleichen, durch welche hier eben­falls die Natur die Harnblase schüzt, wenn auf sie zu heftig und zu oft eingewirkt wird. Man fand diese Härte so täuschend, dafs sie, nach De« sault* *s*) Erzählung, einen Wundarzt zum Steinschnitt verleitete, wo doch selbst die Leichenöffnung keinen Stein entdeckte.

Eine solche verdickte, verhärtete, gleichsam erstarrte Harnblase, bleibt daher auch, weil sie sich nicht mehr zusammen zu ziehen vermag, beständig über den Schambeinen fühlbar, und bewirkt, aufser einem Ge­fühl von Schwere, ein Unvermögen den Harn zu halten, und bey zuneh­mendem Uebel, durch einen Druck auf die Gefäfse und Kreuzbein-Ner­ven im Becken, eine fast völlige Lähmung der unteren Gliedmafsen, oder

durch

a) On morbid Anatomy. Chap. 14. Teutsck, Berlin, 1794.

b) Observationum anatomicarum rariorum. Fase. 2, Tab. VIII.

*) Journal de Chirurgie. Tom. II. Nr. 2.