den Schambeinen, dar. Die Harnblase schiebt gleichsam das Bauchfell vor sich her. Je mehr also die Krankheit (die Ausdehnung der Harnblase) gestiegen ist, je gefährlicher sie scheint, desto leichter und desto unfehlbarer fällt die Hülfe auf dem Wege durch den Blasenstich über den Schambeinen. Dieses versinnlicht Sandiforts “) interessante Abbildung einer — drey Wochen vor dem Tode über den Schambeinen durch den Blasenstich operirten Harnblase. —• Nichts Aehnliches findet man bey dieser Gelegenheit am hinteren Theile der Blase Vorgehen, c) Hat man bey dem Blasenstiche über den Schambeinen es durchaus in seiner Gewalt , eine solche Verletzung des Bauchfelles zu vermeiden. Man steche nämlich den Troikar nicht eher ein, als bis man ohne Täuschung, die Blase rein und deutlich fühlt, und ist dieses nicht der Fall, ist z. B. der Schmerbauch am Schamhügel zu dick h ), so schneidet man vorläufig die Speckhaut des Schamhügels ein, trennt die Pyramidalmuskeln von einander, und sticht nun erst, indem man die von Harne gespannte Blase deutlich •wahrnimmt, den Troikar ein. Dieses ist um so leichter, da man alles aufser dem Gefühle auch vor Augen vor sich liegen hat. Ja nach dem Einschnitte kommt einem gewöhnlich die hervorquellende Blase sogar selbst entgegen. An ein Ausweichen der Harnblase beym Einstechen des Instrumentes, ist um so weniger zu denken, als sie ja mittelst der Harnschnur (Urachus) an dem Nabel haftet. — Nicht so beym Blasenstiche durch den Mastdarm, hier mufs man sich einzig auf sein Gefühl verlassen, weil alles dem Auge entzogen ist. d) Beym Blasenstich über den Schambeinen kann man aufser beyden Augen, auch beyde Hände frey gebrauchen, beym Blasenstiche durch den Mastdarm kaum ein Paar Finger, und diese noch dazu eingeklemmt, in einem sehr beschränkten Baume. Es gehört wenigstens ein gut unterscheidendes Gefühl dazu, um die eigent-
a) Museum anatomicum Academiae Lugduno-Batavae. Vol. II, Tab. XCIII. fig. 2, verglichen mit der Krankheits-Geschichte im Vol. I. pag. 261. h) C h. G. Lu d w r o de Ischuria ex tumoribus vesicae. Lips, 1767. auch in den Ad versah. med. pract. II., S. 6 j 5 . liefs sich durch das Fett am Schamhiigel abhalten, den Blasenstich über den Schambeinen zu verrichten, weither, wie die Abbildung zeigt, durch den Mastdarm nicht thunlich, folglich auch nicht gelungen war.
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