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Da wir aber im 9. §. fahen, dafs Kinder bey ihren ohnehin zu ihrem Körper verhältnifsmä- fsig grofsen Nerven, auch reichlichere Arterien in denfelben, als Erwachfene, belitzen, fo ilt es auch aus diefer Urfache erklärlich, warum ihre Nerven leichter als die der Erwachfenen eine zu harke Erhöhung ihrer Leitungsfähigkeit durch das in ihren Hüllen im Uebermaafse fecernirte Fluidum erfahren, folglich bey ihnen Krämpfe und Zuckungen fo viel öfter und leichter als in Erwachfenen entliehen.
Läfst lieh van der H a a r ’s eben fo richtige als höchft wichtige Bemerkung, dafs der Kinnbackenkrampf nicht fogleich nach Unterbindung eines Nerven, fondern nach einigen Tagen, ja Wochen, erft erfolgt, nicht dadurch erklären, dafs zu diefer Affedtio nervi kein blos gewöhnlicher Zuftand der Nerven gehört, fondern, dafs folcher eine vorgängige qualitativ veränderte Secretion des Fluidi nervei vorausfetzt, welche eben dadurch, dafs lie fich tief und langfam h erb ey fehl eicht, und die Nerven erft dazu heimlich vorbereitet, fo lebensgefährlich wird?