Z6 A t h m e m

Lust denn, wenn auch die Lungen mit Lust angefüllt sind, und die Luftröhre verstopft ist, verwendet doch ein Thier die Kräfte feiner Zwischenribbenmuskeln und sei­nes Zwerchmuskels zum Einathmen.

Die Luft dringt daher mit desto grösserer Kraft in die Lungen, je weniger sich Lust in den Lungen findet; und mit der allergröffesten, wenn wie z. B. beim neugebornen Kinde gar keine Lust sich in den Lungen findet. Hingegen dringt keine Lust, oder nur mit Be­schwerlichkeit in die Lungen, wenn z. B. durch Wunden Luft zwischen die Brustfellsacke und die Lungen gerath.

Bei diesem Einathmen werden die Aeste der Luft­röhre ihrer Lange und Breite nach vergrössert, die Blut­gefässe der Lungen verlängert, erweitert, die Winkel ihrer Aeste vergrössert, und, wenn sie geschlängelt waren gestreckter; folglich wird auch der Raum für die Endigungen der Lungenarterien und für die Anfänge der Lungenvenen vergrössert, und das aus dem Herzen kommende Blut strömt freier und schneller in die Ver­zweigungen der Lungenarterien.

In lebendig geöffneten Thieren sieht man hiebei zugleich die Lungen blässer, und gleichsam schäumig werden.

Daher fließt das Blut während dem Einathmen schneller aus Wunden der Lungen.

Daher kehrt der Kreislauf des Bluts durch die Lungen in Erstickten, Erwürgten, Ertrunkenen und somit das Leben wieder zurück, wenn man ihre Lungen gehörig aufbläst, und dadurch den Lauf des Blutes in die Aortenkammer wieder herstellt.