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Mn wohl em Hase öder ein Affe Mit einem solchen Kinde? Oder welche Aehnlichkeit hak wohl ein Hase mit einem Affen? Mit Vorbedacht habe ich also oben ($. 20.) angemerkt, daß alle Miß­geburten dieser 7 lrr fast vollkommen einerley Ansehen haben. Ich, für meinen Theil, finde doch auch nicht die mindeste , entfernteste Aehnlichkeit, weder mit einem Assen, noch mit einem Hasen. Sonst werden auch solche Kinder im gemeinen Leben, wie ich schon oben angemerkt habe, Katzen­köpfe genennt.

Geht man Ln nur ein wenig altere Zeiten , z. B. bis zu 1670. hinauf, so wird man z.,'V. bey Kerkring (r) finden, daß er diese nämliche Misgeburt gar für (euftlähnlich ausgiebt. Seinö Lleberschrift ist: ^lonllrum cacodaemonis piüueae, quam humanae figurae, limiliüs. Deshalb mußten beim auch tu der Abbildung die Finger nicht nur etwas kralleuartig gezeichnet werden, sondern die Mutter mußte sich auch mit bösen Geistern begattet zu haben glauben. (Jam fibi cum malis geniis congreffa videbamr). $)ie Weiber fanden das Kind teuftlahnlich, Kerkring selbst aber in nichts menschenähnlich, sondern einem häßlichen Affen ähnlich (Caput nii habebat, quod horni- iiem referret. Facies fimiae eique defbrmi iimillima). Gerade dieses nämliche Stück von Kerkring beschreibt Ruysch in seinem Thefaurus anatomicus VIII. N. 1. wie es sich für einett Zergliederer gehört, ohne nur das mindeste von einer solchen Häßlichkeit anzumerken, außer daffM anführt, daß Kerkring das Skelet unter obiger Aufschrift beschrieben und gbaebildet habe. Sieht man hieraus nicht offenbar, daß diese Leute mehr, als selbst die Mutter /Mrsahen, und an Ein­bildung litten? Teufel, Affen , Hafen und Katzen gelten ihnen für gleich viel. Gegen solche Leute muß man immer verlieren; denn wenn es keine Affen, Hasen Und Kaßen zum Versehen giebr, so muß die Mutter an dem Hirngespinnsie, dem Teufel selbst, sich versehen haben.

Ich habe eine Menge sogenannter Hasenscharten nicht nur gesehen, untersucht, und einige auch zu besorgen gehabt, sondern besitze selbst in meiner Sammlung einen Embryo von der Größe des Albinifthen (§), ferner einen ohngefahrZweimonatlichen, ferner einen sechsmonatlichen, und endlich einen dem Sandiforkifchen (t) aufs allervollkommenste ähnlichen Schedel, und bilde endlich selbst hier fünf ab; finde aber auch bey der flüchtigsten Vergleichung nicht die allermindeste Aehw lichkeir mit einer Hasenschnauße, sondern eher just das Gegentheil, nämlich Laß, wenn der Schedel eines solchen Kindes einem Hasenkopfe ähneln sollte, dte Kinnbacken nicht gespalten voy einander stehen, sondern vielmehr enger zugespißr seyn müßten. Der Hauptfehler einer solchen Hasenscharte ist oft nicht die Spalte der Haut, sondern ein Fehler im Gaumen. NebrigenS ist Die Oberlippe eines Hafen nicht gespalten, sondern blos eingekerbt, und mit langen steifen Borsten versehen.

Diejenigen Hautauswüchse, die man mit Erdbeeren, Maulbeeren oder Himbeeren ver­gleicht, oder mit Kirschen oder Mausen, sind den natürlichen Dingen , die siev erstellen sollen,, so unähnlich, daß sie kaum einer Erwähnung verdienen.

4) Ist es wohl gar keine Frage, daß es Hasenscharten und alle übrige Mißgeburten in Landern giebr, wo sich keine Hasen, Erdbeeren oder Himbeeren, u. f. w. befinden, -an denen sich Denn doch die Mütter gewöhnlich versehen haben sollen.

Auch bin ich, für meinen Theil, gewiß , daß, wenn die Mütter meiner beiden, nicht zwei Monate alten, Embryonen mit gespaltenen Lippen, im vierten oder den folgenden Monaten irgenb einen Hafen oder Assen gesehen hatten, selbst ein Kaltschmieb und Heister dies durch ein, dutch die Erfahrung bewiesenes, Versehen an den genannten-Thieren eifrigst verfochten haben Würden; obgleich dieser Fehler schon lange zuvor vorhanden war,

> §. § 3 *

Aber der Glaube ans Versehen, mmme doch > /wie der Glaube an Hexengeschichtcheu, mit der Aufklärung ab und zu, welches freylich nach Ländern und Köpfen verfthiedön ist.

^ Nachdem in Göttingen schon längst allgemein unter den Aerzten der Glaube ans Versehm ausgehört hatte, sah man noch 1767. Kal t sch mieden als DecanüS der medicmifthen Faculkäk zu Jena (u) sich öffentlich zu ihm bekennen; Und nachdem wohl die meisten Universitäten in Europa die Hexereyen ins Reich der Mahrchen verbannt glaubten, sah man noch 1782. die halbe meöici- nische Facultak zu M». . und darunter den DecanüS sich schriftlich öffentlich dafür erklären. So kenne ich aufgeklärte Frauenzimmer genug, die den Ungrund der Geschichtchen vom Versehen vollkommen einseheu, und hingegen auch seynwollende Gelehrte , die durch nichts überzeugt werden können,

Soviel

(r) Spiciiegiam aKaionücum. Öbfervatiö 23.

fs) ÄtB issfu s Ämoiationum Academicanim Tib, I,

(Q SäsdiPori Obferva'eio&es anatemico-path* logicae Lib.IV. Tab. VII. fig. 2.

00 Siehe §. 67.