Zweites Morgrnblatt der Irandfurter Aeitung-

18. Juli 1S03.

Alexander d. Hometzer.

Ein Nachruf.

Von Dr. H. Rosenhaupt (Frankfurt)'.

Gestern, am 17. Juli, Motz sich die Erde Mer einem Mann, der mannigfache, noch aus der Zeit der freien Reichs- stadt herrührende Beziehungen zu dem naturwissenschaftlichen Leben Frankfurts hatte und dessem Andenken deshalb gerade an dieser Stelle einige Worte gewidmet werden sollen.

Am 14. Juli starb in Greifswald Alexander v. H o m e y e r, dessen Namen im Kreise seiner Fachkollegen, der Zoologen, einen sehr guten Klang hatte, obwohl Ho- meher nicht eigentlich Zoologe von Fach war. Er wurde am 19. Januar 1834 zu Vorland bei Grimmen in Neuvor­pommern geboren. Seine Familie hatte durch seine älteren Verwandten den Germanisten Karl Gustav v. Homeyer und den Ornithologen Eugen Ferdinand sich schon in der wissen­schaftlichen Welt einen Namen gemacht. Das Interesse an der Beobachtung der belebten Natur erweckte schon früh in dem Knaben den Wunsch, Forstmann zu werden. Dies scheiterte jedoch an den gegenteiligen Absichten seiner Familie und er mutzte, nachdem er in der Kadettenanstalt Groß- Lichterfelde seine Ausbildung erhalten hatte, im Jahre 1882 I in die preußische Armee eintreten. Er garnisonierte in ver­schiedenen Städten des Rheinlands, so in Trier und Vtainz, und faßte schon früh eine Vorliebe für die lieblichen Gauen Westdeutschlands. Ein für seine spätere Entwicklung be­deutungsvolles Ereignis war seine Versetzung zn dem in Frankfurt einen Teil der Bundesbesahung bildenden preußischen Regiment. Hier fand er wieder Gelegenheit, sich mit naturwissenschaftlichen Studien zu befassen. Wenn der Frontdienst des Leutnants zu Ende war, eilte Homeyer in das Senckeitbergische Naturhistorische Museum, wo man ihm das Amt eines Sektionärs der ornithülogischen Sammlung übertragen hatte. Auch an der Gründung des alten Zoologi­schen Gartens an der Bockenhcimer Landstraße nahm er tätigen Anteil. Ihm übertrug man das Bestimmen der Raub­vögel, und aus dieser Zeit stammt eine seiner ersten Ver­öffentlichungen. Auch sonst verwandte er seine Zeit zur Be­obachtung der V o g e I w c l t und sein geübtes Ohr erkannte jeden Vogel am Gesang. Im Jahre 1889 begründete er in Frankfurt den Verein für naturwissenschaftliche Unterhalt­ung, der noch heute in voller Blüte steht und jetzt über 100 Mitglieder zählt. Dieser Verein umschließt heute eine An­zahl Vertreter der verschiedensten naturwissenschaftlichen ! Disziplinen, die allwöchentlich bei einem Glase Bier ge­mütlich ihre Kenntnisse austauschen. Da der zoologische .Sammelsport auch, in ihm seine Zentrale gesunden, hat der

Verein den scherzhaften BeinamenK ä s e r s ch a ch t e l" bekommen. Vielleicht ist er unter diesem Namen den Lesern derFrankfurter Zeitung" besser bekannt. Um Homeyer scharten sich bei der Gründung alle, die sich für naturwissen­schaftliche Dinge interessierten; es seien hier nur der alte Bürgermeister v. Heyden und der Anatom Professor L u c a e genannt.

Im Jahre 1801 wurde Homeyer durch einen längeren Urlaub in die Lage versetzt, eine Forschungsreise nach den Balearen zu unternehmen, die manchen neuen Auf­schluß über die Tierwelt dieser Inseln und der westlichen Mittelmeerländer brachte. Im Kriegsjahre 1866 focht Ho­meyer bei Skalitz, Schweinschädel und Königgrätz. In diesen Jahren fing er an, sich neben der Vogelkunde auch der Schmetterlingskunde zu widmen, und seinen tüch­tigen Leistungen auch auf diesem Gebiete hatte er es zu ver­danken, daß die von der Deutschen Geographischen Gesell­schaft ausgerüstete Expedition stach Westafrika im Jahre 1874 ihn neben P o g g e zum Führer hatte. Die Reise ging den Cuanza aufwärts bis Dondo, dann nach Pungo Adongo. Hier warf ihn eine heftige Malaria, von der sich Homeyer nie ganz erholte, auf das Krankenlager, sodatz es nur P o g g e beschiedcn war, weiter vorzudringen. Nichtsdestoweniger kehrte Homeyer mit reicher Ausbeute heim. Nicht weniger als 800 neue, bis dahin unbekannte Schmetterlingsartcn brachte er mit nach der Heimat. 1878 trat er als Major in den Ruhestand.

Seit dieser Zeit widmete er sich ausschließlich der Zoo­logie. Seine schon früher angelegte Vogeleiersammlung zählte zuletzt etwa 10,000 Exemplare, die etwa 1600 ver­schiedenen Arten angehörtcn, seine Schmcttcrlingssammlung über 30,000 Stück. Mit seinen Sammlungen und literari­schen Arbeiten beschäftigt, verbrachte er seinen Lebensabend in Greifswald.

Von den Wänden seines Heims sahen viele Erinnerungen an seine frühere Tätigkeit. herab; neben dem Säbel des jungen Leutnants hing ein kunstvoller Dolch, das Ehren­geschenk eines afrikanischen Häuptlings für den Expeditions­chef, neben den Diplomen zahlreicher gelehrter Gesellschaften die Bilder guter Freunde. Und in diesen Räumen waltete nicht nur ein tüchtiger Gelehrter, ein mutiger Forscher, son­dern ein Mensch von unendlicher Herzensgütc, dessen Wahl­spruch war:Sei freundlich gegen jedermann, aber krümme dich nicht!" Ueguiescrt in pace.